berlin teilt (:) – jede Menge Spielraum bei der lokalen Adaption

Ein Bäcker gibt 15 Prozent des Umsatzes mit Laugengebäck für den Skaterpark um die Ecke. Ein Tätowierstudio spendet für jedes gestochene Herz 25 Prozent an die lokale Tafel. „berlin teilt (:)“ bringt Unternehmen, die Gutes tun wollen, und soziale Projekte zusammen und macht dabei vieles anders als die Vorbilder. opentransfer.de sprach mit dem Initiator Tom Piert über die Spielräume bei der Adaption von Projekten.

 

Wie kann man die Idee von „berlin teilt (:)“ beschreiben?

Das Prinzip von „berlin teilt (:)“ ist relativ simpel, bedeutet aber für uns als Organisatoren eine ganze Menge Arbeit. Wir gehen auf Unternehmen, zum Beispiel ein Geschäft, zu und überzeugen den Inhaber, einen Monat lang einen Teil des Umsatzes für eine gute Sache zu spenden. Für welche Produkte dies gilt, wie hoch der Spendenanteil ist und wer begünstigt werden soll, kann dabei selbst bestimmt werden.

Neben unserer Online-Präsenz stellen wir vor allem Print-Kommunikationsmittel zur Verfügung, damit die Kunden direkt im Laden über die Aktion informiert werden. Wir sind mit Nonprofits, die Spender suchen, genauso im Gespräch wie mit Geschäften und anderen Unternehmen, um sie für die Aktion zu gewinnen. Während unserer ersten Kampagne haben sich 73 Unternehmen der Aktion angeschlossen und 50.000 Euro für gemeinnützige Projekte in einem Monat eingespielt (Sachspenden eingeschlossen).

 

Plakat

An welcher Stelle verdient „berlin teilt (:)“ sein Geld?

Die Spenden, die in den Geschäften einfach durch Einkäufe getätigt wurden, gehen zu 100 Prozent an die Projekte. Das Geld für uns als Organisatoren soll aus anderen Quellen kommen. Die Unternehmen, die bei „berlin teilt (:)“ mitmachen, haben die Möglichkeit, die Sichtbarkeit ihres Engagements noch zu verstärken. Hinzu kommen Beratungsleistungen, ein Starterkit für die Aktion, Street-Art-Promotion, oder künftig die Möglichkeit, ihr Engagement auf unserer Website noch prominenter zu präsentieren.

Woher hatten Sie die Idee zu der Aktion?

Die Idee ist mir zum ersten Mal bei „HAMBURG TEILT (:)“ begegnet – zufällig. Das war 2011. Eine Cousine engagiert sich in Hamburg für die Stiftung Gute-Tat, die damals auch bei der Aktion vertreten war. Ich war auf der Abschlussveranstaltung und von der Idee gleich begeistert. Ich bin dann auf die Hamburger Initiatoren, die Kommunikationsagentur LOWANI, zugegangen, und schnell entstand gemeinsam die Idee, das Konzept in Berlin umzusetzen. Über die Zusammenarbeit kamen dankenswerterweise auch gleich wertvolle Medienkooperationen, wie zum Beispiel mit der United Ambient Media AG, zustande. Hinter der ganzen „teilt“-Bewegung steht ohnehin ein lokaler Netzwerk- sowie der Open-Source-Gedanke. Die einzelnen Standorte fügen sich zudem gedanklich in das WORLD SHARETY PROJECT ein. Dabei geht es wiederum zum einen um die Idee einer neuen Kultur des Teilens im Allgemeinen und zum anderen um Inspiration und Erfahrungsaustausch unter den jeweiligen Standorten.

Wo ist die Idee zum ersten Mal umgesetzt worden?

Erstmals umgesetzt wurde die Kampagne in Frankfurt/Main. Die Idee stammt vom Initiator Mike Kuhlmann, der zusammen mit Katharina Goldman das Projekt 2008 umgesetzt hat. 2011 kam Hamburg hinzu, 2012 dann Berlin und Baden-Baden. Ich selbst wurde in Frankfurt mit „berlin teilt (:)“ im Herbst 2011 vorstellig bzw. eingeladen, um die Partner kennenzulernen und nähere Vorgaben zur Umsetzung abzuklären.

Wie eng waren die Vorgaben für die Übertragung des Projekts?

Das Markenzeichen aller „teilt“-Projekte und des WORLD SHARETY PROJECT sind visuell das Herz mit einem umklammerten „Geteiltzeichen“ bzw. – je nach Betrachter – einem doppelten Smiley. Ansonsten sind die Auflagen minimal. Die Spendenverwendung muss transparent gehandhabt werden, was bei einem solchen Thema aber wohl selbstverständlich ist, und die Spenden sollten möglichst einem standortgebundenen Zweck zugutekommen. Ansonsten soll und darf das Projekt in jeder Stadt sein eigenes Gesicht und auch Profil bekommen, lokale Unterschiede werden nicht nur toleriert, sie sind sogar gewollt. Alles, was es bereits an Wissen und Materialien gibt, wird geteilt. „FRANKFURT TEILT (:)“ hatte ursprünglich auch angeboten, ihre Website zu spiegeln, sodass wir das Grundgerüst hätten übernehmen können. Glücklicherweise hatten wir zu diesem Zeitpunkt mit Jan Löwenherz schon einen großartigen Designer und Entwickler zur Hand, der sein Können komplett pro bono mit uns geteilt hat. Wichtig ist aber in erster Linie, dass sich die gute Idee vertrauensvoll verbreitet.

Gruppenbild

Wie ist es dann weitergegangen?

Nach der erfolgreichen ersten Umsetzung erfolgte Ende 2012 dann formal eine Trennung von Hamburg. Künftig wird „berlin teilt (:)“ von einer von uns gegründeten Unternehmergesellschaft (UG) betreut, die zwar vorerst nicht gemeinnützig ist, jedoch einer Selbstverpflichtung unterliegt, nach der 25 Prozent sämtlicher Projektgewinne in gleichen Teilen an unsere gemeinnützigen Partnerorganisationen ausgeschüttet werden.

Konzeptionell haben wir in Berlin von Anfang an eigene Schwerpunkte gesetzt. Meine Erfahrungen beim Veranstalten von Sport-Events haben mich dazu gebracht, zusammen mit dem Verein BASKETBALL AID e. V., im Juli und August 2012 zwei Basketball-Charity-Turniere im Rahmen von „berlin teilt (:)“ für das Kinderhospiz Berliner Herz zu organisieren. Daraus entstand zwar ein relativ bescheidener Erlös von knapp 3.000 Euro, allerdings verliefen die Veranstaltungen – davon abgesehen – sehr zufriedenstellend. Auch hier haben wir versucht, den lokalen Spendenbezug in den Mittelpunkt zu stellen. Bei einem der Turniere wurde sogar pro Korb direkt 1 Euro durch die mitspielenden Teams gespendet, sodass zum Schluss die Gewinner den Löwenanteil dem guten Zweck beisteuerten. Eine derartige „Erweiterung“ des Konzepts ist dabei der Ursprungsidee zuträglich … Engagement muss sich schließlich auch kreativ ausleben lassen können.

Wie haben Sie darüber hinaus die Spielräume genutzt, die die Projektgeber einräumen?

Bei „berlin teilt (:)“ wollen wir uns im nächsten Schritt von dem Konzept verabschieden, dass die Aktionen der Unternehmen alle immer im gleichen Monat stattfinden – in Hamburg ist das zurzeit der Mai, in Frankfurt der Oktober, in Baden-Baden der November. Wir möchten den Firmen die Möglichkeit geben, sich jederzeit engagieren zu können, und dieses Credo anhand ihrer Produkte oder Dienstleistungen zusammen mit ihren Kunden für einen guten Zweck zu teilen. Einer flexibleren Nutzung des Konzepts kommt Berlin allein schon wegen seiner Größe und Vielfalt entgegen. Nicht zuletzt wird es dadurch für Unternehmen auch planbarer. Letztendlich wollen wir soziales unternehmerisches Engagement dadurch erleichtern und ggf. noch verstärken. Die neue Webseite befindet sich zurzeit in der Entwicklung und wird voraussichtlich im Mai 2013 online gehen.

Wie wird es mit der „teilt“-Bewegung weitergehen?

Spannend ist in jedem Fall die Frage, wie man neuen Standorten ermöglichen kann, sich im Sinne der Idee zu etablieren und wie Erfahrungen im Sharety-Netzwerk systematisch ausgetauscht werden können. Kürzlich dachte ich auch über Städtepartnerschaften, im Sinne von Mentoring-Programmen nach.

Zumindest bei zunehmender Standortanzahl sollten auch regelmäßig Vernetzungstreffen stattfinden. Bei der angesprochenen Offenheit des Konzepts könnten davon sicherlich alle profitieren. Schön finde ich auch die Idee, einen Leitfaden oder eine Art Baukasten für „DeineStadt-TEILT“ zu entwerfen, damit es potenzielle Initiatoren an anderen Standorten noch leichter haben, die Idee zu übernehmen.

 

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