“Der ganz normale Wohnsinn” – Plattform für inklusives Wohnen

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Tobias Polsfuß auf dem openTransfer CAMP Inklusion am 30.01.2016 in München

 

„Ach, das klingt ja cool, hab ich ja noch nie gehört“. Diesen Satz hat Tobias Polsfuß so oder so ähnlich immer wieder gehört, wenn er von seiner inklusiven WG erzählt hat. Das brachte ihn auf die Idee für sein Start-up: „Der ganz normale Wohnsinn“.

Zusammen mit seiner Mitbewohnerin Gesa stellte er beim open TransferCamp Inklusion das Konzept inklusives Wohnen vor. Beide leben in einer Wohngemeinschaft der besonderen Art. Auf die Frage von Tobias, was so besonders daran sei, entgegnet Gesa, dass sie eine Katze haben. Das Zusammenleben von Bewohnerinnen und Bewohner mit und ohne Behinderung ist inzwischen so selbstverständlich, dass es nicht das erste ist, was einem in den Sinn kommt.

Gesa ist eine von fünf Menschen mit geistiger Behinderung, die sich zusammen mit vier Studierenden eine Wohnung teilen. Wie sieht das inklusive WG-Leben konkret aus? Anhand des Wochenplans erklären die beiden, wie das Konzept funktioniert. Die Studierenden und zwei Mitarbeiter des Vereins „Gemeinsam Leben Lernen e.V.“ teilen sich die Betreuungs- und Begleitungsaufgaben, bei denen die Mitbewohninnen und -bewohner mit Behinderung Unterstützung benötigen. Abwechselnd sind die Studierenden in Früh-, Spät- und Wochenenddienste eingeteilt und dürfen im Gegenzug mietfrei wohnen. Für beide Seiten ein Gewinn, ermöglicht es Menschen mit Behinderung doch eine weitere Alternative zu Wohnheimen und dem Leben bei den Eltern.

Eine junge Frau und ein junger Mann sitzen vor einer Schultafel.

Tobias studiert Pädagogik und hat sich in den Kopf gesetzt, das Konzept inklusives Wohnen zu verbreiten. Dafür will er mit seiner Start-up-Idee „Der ganz normale Wohnsinn“ eine digitale Plattform schaffen, auf der Interessierte Informationen zu dieser Wohnform finden. Das Angebot soll einen Blog, eine WG-Börse und ein Infoportal umfassen.

Nach der Präsentation diskutierten die Sessionteilnehmenden die Start-up-Idee intensiv: von der Nachfrage, wie viele WCs sich die neun Bewohnerinnen und Bewohner teilen bis hin zu rechtlichen Grauzonen bei der Medikamentenvergabe. Besonders rückten die Herausforderungen und Schwierigkeiten bei der WG-Gründung in den Fokus. So wollen viele Vermieter eine sichere Finanzierungszusage, die aber die Ämter meist erst mit dem bestehenden Mietvertrag geben. Zudem sind die Gesetzgebung und das Antragswesen sehr komplex und für Laien schwer zu überblicken. Die Meinungen darüber, ob man Träger der Behindertenhilfe für eine WG-Gründung hinzuziehen sollte, wurden deshalb kontrovers diskutiert. Ohne Träger geht es nicht, sind sich die einen sicher, für Elterninitiativen und gegen Träger plädiert ein anderer Teilnehmer. Wieder andere meinen, es muss auch ohne Träger und Eltern gehen.

Allein dieser Austausch zeigt, dass eine Plattform, wie sie Tobias Polsfuß plant, eine Möglichkeit ist, Fragen zum inklusiven Wohnen zu beantworten, ob nun für Elterninitiativen, Träger der Behindertenhilfe oder potenzielle Bewohnerinnen und Bewohner.

Projektskizze als PDF

Foto: CC BY-NC 2.0 / Andi Weiland / Stiftung Bürgermut

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